Chronik
Im November des Jahres 1941 zog die Familie Schüller aus dem Erzgebirge in die Stadt des K.d.F. - Wagens; so hieß damals unser Wolfsburg.
Das war zu der Zeit nichts Besonderes, denn viele Menschen kamen aus allen Teilen Deutschlands hierher um im Volkswagenwerk zu arbeiten.
Nur Frau Toni Schüller war eine "Siebenten -Tags - Adventistin".
1941 gab es in Wolfsburg keine Adventgemeinde und so schrieb Frau Schüller an das Vereinigungsbüro der Adventisten in Hannover und erkundigte sich nach dem Standort der nächsten Adventistenkirche.
Von dort erfuhr sie, dass in Braunschweig eine Adventgemeinde existierte, dass aber auch in Gifhorn Adventisten in einer Hausgemeinde zusammenkamen.
Frau Schüller schloß sich dieser Hausgemeinde in Gifhorn an und besuchte dort die Gottesdienste so oft sie konnte.
In den folgenden Jahren zogen weitere Adventisten nach Wolfsburg, die sich dann in ihren eigenen Wohnungen zum Bibelstudium und Gottesdienst trafen.
Bald waren die privaten Wohnzimmer für die ständig wachsende Gruppe zu klein, so dass nach einem passenden Versammlungsort Ausschau gehalten werden mußte.
Über das Schulamt Wolfsburg wurde für den Gottesdienst am Sonnabend ein Klassenzimmer in der Volksschule 1 in der Heinrich-Heine-Str. angemietet.
Aus dieser Zeit existiert noch eine Quittung mit der bescheinigt wurde, dass die Adventisten-Gemeinde DM 7,50 Mietzins für 3 Tage Raumnutzung bezahlt hat.
Diese DM 7,50 setzten sich zusammen aus DM 2 Benutzungsgebühr; DM 2,50 Reinigungsgebühr und DM 3,00 Heizunggebühr. (12.11.1955)
Am 1.10 1956 kam es dann zur Gründung der "Gemeinschaft der Siebenten-Tags-Adventisten in Wolfsburg".
An diesem Tag zählte die Gemeinde 42 Mitglieder.
Sie wurde von dem Pastor Westermann betreut, der auch für die Gemeinden in Gifhorn und Helmstedt zuständig war.
Die Gemeinde wählte ihren ersten Gemeindeleiter Horst Graumann.
Im Laufe der nächsten Jahre fanden die Gottesdiensversammlungen in Klassenzimmern verschiedener Schulen, in der alten Baptistenkapelle in der Bebelstr. und dann im ehemaligen Katasteramtsgebäude am Bullenberg 2, Raum Nr.28 statt.
In diesem Raum, der 35 qm groß war, versammelten sich bis zu 56 Gemeindeglieder zusätzlich einige Gäste. Mit den vielen Kindern wurden während der Gottesdienstzeiten Spaziergänge zum Schillerteich und Umgebung unternommen soweit es das Wetter zuließ.
Der Wunsch nach einem eigenen, würdigen Gemeindezentrum ging dann endlich am 10.12.1966 in Erfüllung. Das Adventhaus am Sachsenring 16a wurde an diesem Tag eingeweiht. Es war der 16. Kirchenbau in Wolfsburg, einer Stadt, die ursprünglich von ihren Gründern als" Stadt ohne Kirchen" gedacht war. Der Architekt Peter Koller hatte dieses Gebäude hervoragend geplant und die Bauausführung überwacht. Es ist ein Ort der Verkündigung und ein Zentrum für Jugend- und Kinderarbeit geworden.
Die Gemeindeglieder spendeten damals ein bis zwei Monatslöhne zur Finanzierung dieses Bauvorhabens. Weitere Gelder kamen durch eine Bausteinaktion aus dem Vereinigungsgebiet Niedersachsen-Süd zusammen.
Aber auch die Kirchenräume dieses Hauses konnten nach der verhältnismäßig kurzen Zeitspanne von 5 Jahren die vielen Gottesdienstbesucher nicht mehr fassen - Die Mitgliederzahl wuchs in dieser Zeit um 73 auf 129 - ein Zeichen, dass die Gemeinde unter dem Segen Gottes stand.
In einer gut besuchten Gemeindestunde am 22.Juli 1971 wurden dann Möglichkeiten diskutiert, die aus dieser - wieder einmal - begrenzten Raumsituation herausführen sollten.
Da das Gemeindezentrum am Sachenring räumlich nicht erweitert werden konnte, blieb nur die Möglichkeit einer Gemeindeteilung nach dem Beispiel der neutestamentlichen Gemeinden. Dem Plan zur Errichtung eines zweiten Gemeindezentrums in Wolfsburg wurde dann mit großer Mehrheit zugestimmt.
Es vergingen 20 Monate bis zur Grundsteinlegung des Kirchengebäudes in der Böcklinstraße im Stadtteil Kreuzheide.
Große finanzielle Mittel hatte die Gemeinde nicht, aber viele begeisterte Menschen mit handwerklichen Fähigkeiten die willig waren in ihrer Freizeit als "Bauarbeiter" mitzuhelfen. Ihr damaliger Pastor Heinz Laarhuis war während der zweijährigen Bauzeit "Vorarbeiter" in vorderster Linie. Wieder war es der Architekt Peter Koller der die Pläne für ein Gemeindezentrum lieferte, das allen Belangen einer lebendigen Gemeinde gerecht wurde.
Am 5. Oktober 1974 wurde das neue Adventhaus in Wolfsburg - Kreuzheide mit einem Dankgottesdienst eingeweiht. Es war schon ein Wunder, dass Menschen zwei Jahre lang arbeiteten um eine Heimat für ihre Gemeinde zu schaffen. In dieser Zeit wurden ca. 23000 Arbeitsstunden auf freiwilliger Basis geleistet.
Die Adventisten in Wolfsburg teilen mit allen Christen den Glauben an Jesus Christus. Die Bibel ist die einzige Grundlage ihres Glaubens. Aber sie betonen auch, wie die über 10 Millionen Adventisten in der ganzen Welt, eine Lebensführung die sich an den Aussagen der Bibel orientiert.
Wie Jesus Christus sich besonders der Kranken und Bedürftigen annahm, so sehen auch sie die Hilfe für kranke und leidende Menschen als wesentlich an.
So führte die Adventgemeinde Wolfsburg schon 1967 ein Raucherentwöhnungs - Seminar durch an dem ca 120 Wolfsburger Bürger teilnahen. Leiter dieses Seminars waren der damalige Pastor Heinz Laarhuis und Dr. med. Ansorg aus Goslar.
In Zusammenarbeit mit dem Volkswagenwerk wurden in den Jahren 1984 - 1994 insgesamt 13 mal je 15 tägige Raucherentwöhnungs - Therapien durchgeführt an denen mehr als 1200 Wolfsburger Bürger teilnahmen.
Das Therapeutenteam setzte sich aus folgenden Adventisten zusammen:
Hanna Blume-Bauermann examinierte Diplomgesundheitsberaterin
Dr. phil. Ernst Bauermann Pastor, Psychologe, Soziologe
Dr. med. Harald Lauterbach
Dr. med. Eberhard Bauermann
1968 wurde in Wolfsburg der Verein für Sozialmedizin zu dem Zweck gegründet, alkoholkranken Menschen eine Hilfe zu geben.
1969 konnte die erste Beratungsstelle für Suchtkranke Menschen in der Seilerstraße eröffnet werden. In dieser Einrichtung fanden über 6000 Patienten sowie deren Angehörige Betreuung und Hilfe.
1973 kaufte der Verein für Sozialmedizin, getragen von der Zustimmung der Adventgemeinde das Haus Niedersachsen in dem kleinen Heidedorf Oerrel und richtete dort ein Krankenhaus für alkoholkranke Menschen ein, wobei persönliche Bürgschaften die Kreditwürdigkeit garantieren mußten.
1980 wurde im 5 Km von Oerrel entfernten Emmen eine Schule gekauft und zu einer Klinik mit 30 Betten für Alkoholkranke umgebaut.
10 Jahre lang von 1979 bis 1989 konnte in Wolfsburg eine weitere kleine Klinik betrieben werden in der 677 Patienten Behandlung und Hilfe fanden.
Die Kleiderkammer im Gemeindehaus am Laagberg ist seit 30 Jahren bei vielen bedürftigen Menschen in Wolfsburg bekannt. Weit über 1000 Kleidungsstücke wurden pro Jahr gesammelt, aufbereitet und verschenkt. Viele Sendungen gingen zunächst in die damalige DDR. Später nach Rumänien und in die GUS - Staaten.
Seit ihrem Bestehen wirkten in der Adventgemeinde Wolfsburg folgende Pastoren:
Westermann
Alfred Jahn
Heinz Laarhuis
Waldemar Blume
Helmut Kraus
Karl Hinz
Stephan Igler
Inzwischen sind 50 Jahre vergangen. Die Gemeinschaft der S.T.A. hat weltweit 53.502* Gemeinden. Zwei davon haben ihr Zuhause in Wolfsburg gefunden.
Die vielen Gottesdienste, Evangelisationen und Veranstaltungen, die Jugend und Kinderstunden haben in diesen 50 Jahren so manchem Wolfsburger Bürger neuen Lebensmut gegeben.
Durch persönliche Selsorge und Bibelstunden wurden hier Menschen in ihrem "Glauben an Gott" gestärkt.
Für diese Möglichkeit eines christlichen Lebens in gesellschaftlicher Verantwortlichkeit und die weiterhin auf uns zukommenden Herausforderungen unserer Umwelt sind wir als Gemeinde unserem Gott dankbar.
*Stand vom 01.01.2004
Erstellt von Werner Gabka

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Aktualisiert am 22.01.2012 |
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